2026 wird alles anders!
…das siehst du schon daran, dass ich mal wieder einen Blogartikel schreibe… ich bin mit meinen Gedanken und Ideen vor einiger Zeit umgezogen auf Vetstage.de – eine große Plattform für Menschen in aus der Tiermedizin.
Die Registrierung ist für euch kostenlos, und ich finde, es gibt viele tolle Inhalte dort zu entdecken – von interessanten Fortbildungen (meine übrigens auch) über spannende News aus eurer Bubble bis hin zu einer umfangreichen Stellenbörse. Wenn du dort noch nicht unterwegs bist, schau doch gerne mal vorbei – beginnen kannst du mit meiner Unternehmensseite; da findest du die ganzen Artikel, die ich in der Zwischenzeit geschrieben habe. Außerdem freue ich mich, wenn du meine Seite dort likest (ich liebe Herzchen!) und mir folgen magst.
Der Link hier bringt dich gleich hin.
Aber: natürlich verstehe ich, dass man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann – also gelobe ich den Vorsatz, meine Artikel nun auch wieder hier auf meinem Blog zu veröffentlichen und auch wieder meinen VetSnack Newsletter dazu zu schreiben. Ein wenig anders vom Aufbau, aber ich finde, immer noch interessant.
Jetzt kann ich zwar nicht garantieren, dass dass wirklich für immer – oder zumindest ganz lang – so funktioniert, aber ich habe es mir ganz fest vorgenommen. Weil ich nämlich mein Leben etwas vereinfachen möchte, damit ich mich nicht so verzettele und alles mühsam wird.
Drück‘ mir die Daumen – ich drück‘ dir meine für das, was du vorhast!
Zum Thema Vorsätze gibt es dann also jetzt von mir auch eine kleine Neujahrslektüre für dich… ich wünsche dir schöne 4 Minuten!
Komplexität reduzieren.
Auf das Wesentliche fokussieren.
Der Jahresanfang ist für viele von uns ein Moment des Innehaltens. Ein kurzer oder auch etwas längerer, dafür sauber reflektierter Blick zurück. Ein vorsichtiger Blick nach vorne.
Die Fitnessstudios verzeichnen die Hochphase ihrer Neuverträge im Januar. Nikotinkaugummis, Stoffwechsel-Shakes und Online-Programme in Sachen Body Shaping gehen auch echt gut in den nächsten Wochen. Viele gute Ideen, viele Wünsche an unser Zukunfts-Ich und unser Zukunfts-Leben bringen noch mehr gute Vorsätze mit sich, in die wir uns voller Elan und Motivation hineinstürzen.
Die Choreographie ist jedoch für die meisten von uns Jahr für Jahr dieselbe: viel zu bald hat uns der Alltag wieder eingeholt, den wir kurz vor Weihnachten dachten, nun endgültig hinter uns zu lassen. Die Studio-Besuche werden seltener, die Shakes schmecken irgendwie doch nicht mehr so gut, die Couch gewinnt ein ums andere Mal gegen den Powerwalk. Und der eine Lillet mit der Freundin vor Ende Januar ist ja wirklich nicht so schlimm, oder? Mist.
Nein, schlimm ist es nicht, wenn wir es nicht schaffen, alle unsere guten Vorsätze auch wirklich durchzuziehen. Schlimm ist eher, dass wir uns einmal mehr das Gefühl des Scheiterns mit organisiert haben. Und diese erneute Erfahrung, einmal mehr gescheitert zu sein, macht es uns gemeinsam mit den ganzen alten so schwer, vermeintlich schwierige Themen anzugehen – wo wir eh so wenig Zeit übrig haben für alle möglichen Add-ons und Nice-to-haves und ganz zu schweigen von den ganzen „Ich müsste endlich mal‘s“…
Wie schön wäre Leichtigkeit – auch und gerade in der Praxis!
Ansatzpunkte für Leichtigkeit ergeben sich automatisch aus den ganzen Dingen, die den Praxisalltag manchmal so anstrengend machen: Kommunikation mit Kunden und dem Team. Konflikte. Selbstfürsorge und Mentale Gesundheit.
Das alles ist oft einfach überwältigend: nicht, weil es an Wissen oder an Einsicht fehlt, sondern weil die Komplexität hoch ist, und die Extra-Zeit dafür einfach nicht von alleine auftauchen mag.
Wissen ist nicht das Problem – Terminkalender, Load und Leben eben schon
Die meisten Menschen in der Tiermedizin wissen sehr genau, dass diese Themen relevant sind. Kaum jemand würde ernsthaft bestreiten, dass gute Kommunikation entlastet, geklärte Konflikte Energie sparen und Selbstfürsorge langfristig schützt.
Und doch werden diese Themen nahezu gewohnheitsmäßig aufgeschoben – erst kürzlich habe ich auf dem bpt-Kongress in Wiesbaden 2 Vorträge zu genau diesem Thema halten dürfen. Überall nickende Köpfe im Saal.
Kommunikation gilt als anstrengend, Konflikte als mühsam, und Selbstfürsorge und mentale Gesundheit als zwar echt notwendig, aber eben zeitintensiv. Ich glaube, das Problem liegt darin, dass diese nicht-medizinischen Themen im medizinischen Alltag als unglaublicher zusätzlicher Aufwand erlebt werden.
Wenn der Tag voll ist, bleibt wenig Raum für Themen, die zusätzlich Konzentration, innere Präsenz und bewusste Auseinandersetzung erfordern. Sie rutschen nach unten auf der Prio-Liste, meist mit dem Gedanken „wenn es ruhiger ist…“.
Die verbreitete (Fehl-)Annahme: diese Themen kosten Kraft, statt sie zu geben
Gespräche, die Zeit ziehen, Konflikte, die man lieber vermeidet, und Selbstfürsorge… wann denn, bitteschön? Diese Wahrnehmung ist eine logische Reaktion auf einen hochverdichteten Berufsalltag. Was als zeitraubend eingeordnet wird, wird verschoben, selbst dann, wenn es langfristig entlasten würde.
Das Paradoxe daran: gerade diese Themen entscheiden darüber, wie viel Kraft im Alltag verloren geht oder erhalten bleibt für die Freude an der eigentlichen Arbeit mit den Patienten.
Der Denkfehler: die nicht-medizinischen Themen sind keine „Zusatz“-Themen.
Kommunikation passiert immer, ob wir wollen oder nicht. Konflikte entstehen und machen irgend etwas, geklärt oder ungelöst. Belastung belastet, umso mehr, je weniger sie reguliert ist.
Die Frage ist also nicht, ob wir uns damit beschäftigen, sondern wie und mit welchen Folgen.
Wenn du diese Themen aussitzt, sparst du keine Zeit, sondern du verlierst sie in Form von Erschöpfung, innerer Distanz, Reibungsverlusten im Team oder anhaltendem Stress.
Simplicity is the key
Ich sag‘s ja ziemlich oft zu meinen Kund:innen: keep it simple. Alles andere ist schon komplex genug. Das meine ich nicht als Verharmlosung und schon gar nicht meine ich damit eine oberflächliche, kosmetische Art des Umgangs mit dem, was challenget. Sondern ich meine damit eine bewusste Reduktion auf das, was wirklich wirkt.
Wenige, dafür essentielle Ansatzpunkte erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass wir etwas umsetzen (der Vorsatz, 1x die Woche ins Fitness zu gehen, gewinnt vermutlich in Sachen Langlebigkeit gegenüber dem mit 3x). Kleine Veränderungen auf Haltung- und Verhaltensebene lassen sich gut in den Alltag integrieren. Neue Routinen, die keinen zusätzlichen Aufwand bedeuten, entstehen nicht durch unglaublich gute Selbstmotivation, sondern durch einfache Machbarkeit.
Einfachheit ist dabei kein Mangel an Tiefe, sondern die Antwort auf Komplexität, oder, anders gesagt: was alltagstauglich ist, wird auch praktisch und in der Praxis genutzt. Alles andere bleibt Theorie.
Fokus auf das Wesentliche als Entlastung, nicht als Anspruch
Es geht nicht darum, alles richtig zu machen, und auch nicht darum, sich immer noch mehr vorzunehmen, das man nur noch besser umsetzten muss, dann wird‘s schon. „Just do it“ ist eben nicht die Losung.
Sondern es geht darum, das Richtige zu machen.
Das beginnt mit der Entscheidung, sich auf wenige zentrale Hebel zu konzentrieren. Dafür braucht es Räume, die nicht überfordern, sondern helfen, die Möglichkeiten zu sortieren. Das Passende rauszusuchen. So simpel ist das.
Der Jahresanfang ist ein guter Moment dafür, genauso gut wie jeder andere Tag im Jahr: nicht für die ganzen großen Vorsätze, sondern für kleine, easy machbare Schritte. Babysteps. But steps.


